Hauptportal / Baudenkmäler & Geschichte / Hohengeroldseck
Historischer Ort · 13. Jahrhundert
Die Burgruine Hohengeroldseck und das Obere Schuttertal
Machtzentrum, Landmarke und Zeugnis der Ministerialen-Herrschaft über die Täler des mittleren Schwarzwalds.
Die Burg Hohengeroldseck thronte als strategische Wachpunkt hoch über der Mündung des Schuttertals in die Vorbergzone des Oberrheingrabens. Im 13. Jahrhundert durch die Herren von Geroldseck erbaut, markierte die Festung den territorialen Anspruch gegenüber den benachbarten Herrschaften von Baden und den Bischöfen von Straßburg. Archivalische Urkunden belegen bereits um das Jahr 1277 eine rege Verwaltungstätigkeit, bei der Zölle auf die Durchfuhr von Holz, Erzen und Getreide aus dem Tal erhoben wurden.
Die bauliche Konzeption verband romanische Wehrelemente mit frühgotischen Palas-Erweiterungen. Noch heute lassen die mächtigen Buckelquader an den erhaltenen Außenmauern erkennen, mit welch enormem handwerklichem Aufwand der Sandstein aus den umliegenden Steinbrüchen herangeschafft und verbaut wurde. Die Höhenburg widerstand mehreren Belagerungen, ehe sie während des Pfälzischen Erbfolgekriegs im Jahre 1689 durch französische Truppen unter General Mélac eingenommen und planmäßig niedergebrannt wurde.
Topografische Lage und kulturgeschichtliche Bedeutung
Das Tal der Schutter bot durch seinen dichten Baumbestand und reiche Wasserkraft beste Voraussetzungen für Sägemühlen, Köhlereien und frühe Glashütten. Von Hohengeroldseck aus kontrollierten Vögte nicht nur den Passweg über den Schönberg ins Kinzigtal, sondern organisierten auch die Rodungssiedlungen, die heute die Ortschaften Schuttertal, Dörlinbach und Schweighausen bilden.
Archivalische Quellen und Grabungsfunde
Im 19. Jahrhundert setzte mit der Romantik eine Wiederentdeckung der Ruine ein. Bürgerliche Wanderengesellschaften machten Hohengeroldseck zu einem beliebten Ausflugsziel und begründeten die ersten Bemühungen um den Denkmalschutz im mittleren Schwarzwald. Die heute sichtbare Konservierung der Mauern geht maßgeblich auf die Initiative regionaler Geschichtsvereine zurück, die seit 1958 regelmäßige Grabungen und Sicherungen durchführen.
Im Zentralarchiv Data-Libris werden derzeit 34 Originalurkunden, 11 Siegelabdrücke sowie Fragmente spätmittelalterlicher Kachelöfen verwahrt, die bei den Geländearbeiten rund um den Brunnenhof geborgen wurden. Digitale 3D-Scans der Fundstücke ermöglichen es Forschern weltweit, die Befestigungsphasen digital nachzuvollziehen.
„So fern das Auge schweift von den Zinnen des Berges, so weit herrscht der Friede des Tales, den allein die Glocken zu Seelbach und Dörlinbach unterbrechen.“
— Auszug aus den Reisetagebüchern des Archivars Karl Himmelsbach, 1842
Galerie
Bildarchiv